Das Leben ist, was passiert, während wir Pläne machen. Auch ich selbst bin schon das eine oder andere Mal vom Leben überrascht worden. Werfe ich heute einen Blick zurück, sehe ich vieles aus einer anderen Perspektive. Ich bin dankbar für die Chancen, die ich nutzen, aber auch für die Probleme, an denen ich wachsen konnte. Was ich mir erarbeitet habe, möchte ich deshalb mit meiner ganzen Aufmerksamkeit und Hingabe schützen.

Ich bin nicht nur Unternehmerin, sondern auch Ehefrau und Mutter eines Sohnes. Die Angst, durch einen Unfall oder eine Erkrankung plötzlich keine Verantwortung mehr für meine Familie tragen zu können, kenne ich deshalb nur zu gut. Aus diesem Grund habe ich schon vor langer Zeit meinen persönlichen Notfallkoffer gepackt, der alles enthält, was die Handlungsfähigkeit meiner Kanzlei im Fall der Fälle bewahrt.

Das gehört in den persönlichen Notfallkoffer

Einer der wichtigsten Bestandteile des Notfallkoffers ist die Vorsorgevollmacht. Diese bevollmächtigt eine andere Person in Ausnahmesituationen, alle bzw. ausgewählte (unternehmerische) Entscheidungen für den Vollmachtgeber zu treffen. Der Bevollmächtigte ist dann Vertreter im Willen und sollte daher eine Person sein, der Sie uneingeschränkt und unbedingt vertrauen. Die Vorsorgevollmacht kann (und sollte) auch über den Tod hinaus erteilt werden, da die Handlungsfähigkeit der Hinterbliebenen insbesondere im Todesfall unverzüglich hergestellt werden sollte. Um eine Vorsorgevollmacht zu erteilen, genügt die formlose schriftliche Erteilung mit Unterschrift, aus Gründen der Rechtssicherheit ist eine notariell beglaubigte Bevollmächtigung aber vorteilhafter.

Zusammen mit der Vorsorgevollmacht wird oft die Patientenverfügung erstellt. Diese liefert im Fall der Fälle wichtige Informationen über Ihre persönliche Einstellung zu Themen wie Organspende und lebenserhaltende Maßnahmen.

Ein Genie beherrscht sein kreatives Chaos – schwierig wird es aber, wenn sich plötzlich eine andere Person durch schlecht geordnete Unterlagen kämpfen muss. Aus diesem Grund sollten Sie nicht nur im unternehmerischen, sondern auch im privaten Bereich unbedingt auf Übersichtlichkeit, Ordnung und nachvollziehbare Strukturen achten. Um es Ihren Liebsten im Notfall noch leichter zu machen, empfiehlt sich außerdem die Erstellung einer jährlichen Bilanz über den Vermögensstatus.

Auch im Digitalen sollten Sie stets den Überblick über Ihre Accounts und Mitgliedschaften behalten. Durch das Dokumentieren von Passwörtern, Zugangsdaten, Abonnements und Vertragslaufzeiten geben Sie Ihren Angehörigen die Möglichkeit, auch in diesem Bereich schnell in Ihrem Sinne handeln zu können.

Alle erforderlichen Regelungen und Ihre persönlichen Wünsche nach dem Tod lassen sich in testamentarischen Verfügungen unterbringen. Das Thema Testament ist ein sehr komplexes, weshalb ich Sie darüber gern in einem separaten Beitrag informieren möchte. Unbedingt sollten Sie aber darauf achten, dass Ihr Testament stets auf dem aktuellen Stand ist.

Verantwortung übernehmen statt verdrängen

Eine durchdachte Notfallvorsorge sollte keine Zeit- oder Altersfrage sein. Denn mit einer klugen Absicherung schützen Sie, was Ihnen wichtig ist, wenn Sie es selbst gerade nicht können. Der Aufwand, den die Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen erfordert, ist überschaubar im Vergleich zu den Hindernissen, die sich für Ihre Familie und Ihr Unternehmen durch eine unzureichende Vorsorge ergeben.

Schützen Sie, was Ihnen lieb ist. Und bleiben Sie gesund!

Ihre Ines Scholz